Herzlich Willkommen!

Seit September 2014 bin ich nun schon in Tansania. Auf diesem Blog veröffentliche ich die Erfahrungen und Erlebnisse aus meinem einjährigen Freiwilligendienst. Herzlich willkommen!
-Alles ist noch ein wenig im Aufbau, aber ich geb mein Bestes!-
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Sonntag, 17. Mai 2015

Ein Ausflug nach Marangu


Im Geography – Club an der Mwika Primary School nehmen wir gerade das Thema Tansania und seine Distrikte und Stämme durch. So kamen wir auf die Idee, den Schülern die Kultur der Chaga (der traditionelle Stamm am Kilimanjaro) im nahegelegenen Chaga-Museum hautnah zu zeigen und planten deswegen einen kleinen Ausflug nach Marangu, den nächstgrößeren Ort (etwa 30 Min. Fahrzeit von Mwika entfernt). 
Am Starting Point
Dort liegt auch einer der Startpunkte für Kilimanjarobesteigungen, zu dem auch ein kleines Informationszentrum über die Landschaft und Vegetation rund um den Berg gehört. Da für die meisten unserer Schüler, die eigentlich direkt am Berg leben und ihn tagtäglich vor Augen haben, die Kilimanjarobesteigung ein unerfüllbarer Traum bleibt, beschlossen wir, auch hier eine kleine Führung einzuplanen.
So fuhren wir also gegen halb neun gemeinsam im KIUMAKO-Bus von Mwika aus los.


Schon auf der Fahrt war die Vorfreude und Motivation riesig und die Stimmung freudig-aufgeregt. Auch die fünf Lehrer, die uns begleitet haben, waren gespannt, was sie erwarten würde  – das Chaga-Museum und der Starting Point waren auch ihnen noch unbekannt.
In Marangu angekommen wurden wir auch schon von unserem Guide empfangen, der den Kindern ein bisschen über den Kilimanjaro erzählte und ein paar Infos zur Region und Besteigung gab, die wir im Unterricht noch etwas weiter ausführen wollen.

 
Träger für die Besteigung wartena m Eingang des Nationalparks
Das Museum war unser nächster Stopp. Bei der Führung wurde die traditionelle Lebensweise, die Stammesgeschichte die jetzige Situation der Chaga erklärt und die Schüler konnten auf dem exemplarischen Hof das Leben ihrer Großeltern entdecken. Hier zeigten sich besonders die Lehrer interessiert, die viele Dinge aus ihrer eigenen Kindheit wiedererkannten.




Nach dem lehrreichen Teil unseres Programmes machten wir Rast an einem Wasserfall, an dem jeder sich hungrig über sein Lunchpaket hermachte. Die Kinder waren sichtlich glücklich, aber auch erschöpft und so beschlossen wir, die Heimreise anzutreten. Mit leuchtenden Augen verabschiedeten uns unsere Schüler und ein begeistertes Dankeschön kam auch von den Lehrern. Dies war schließlich der erste richtige Ausflug, der an der Schule je unternommen wurde.

Gegen vier Uhr waren alle wieder zu Hause und Kerrin und ich konnten auf einen erfolgreichen Tag zurückblicken. Der nächste Ausflug wird also schon geplant!

Mittwoch, 6. Mai 2015

Das Turnier!



Wir Freiwilligen unterrichten an ganz verschiedenen Schulen, davon insgesamt sechs Grundschulen. Eines Tages kam uns also die Idee, ein großes Sportturnier zu veranstalten, an dem vier unserer Grundschulen, an denen wir Sport als Thema haben, teilnehmen.

Wir planten eifrig, erstellten Zeitpläne, überzeugten die Schulleiter und Lehrer, teilten den Sportplatz ein und sortierten farbige T-Shirts – bis es am Freitag endlich losgehen sollte. Uns war ein bisschen mulmig, schließlich lastete ganz schön viel Verantwortung auf uns und es konnte auch alles ziemlich schief gehen.
Da das Turnier an der Mwika Primary School stattfand, wurden die Kinder der anderen Grundschulen mit einem gemieteten Bus dorthin gebracht, schon das fanden sie unglaublich spannend.

Um die Schulen auseinander halten zu können, bekamen die Schüler jeweils andersfarbige T-Shirts, die als Spende in unserem Projekt eingegangen waren. Außerdem hatten wir Namenssticker vorbereitet, sodass wir auch Kinder, die wir nicht selbst unterrichten, direkt ansprechen konnten.
Es gab insgesamt drei Disziplinen: Staffellauf, Fußball und Brennball. 



16 Teams, 130 Kinder und sechs Freiwillige gaben in der prallen Hitze alles und so wurde das Turnier zu einem vollen Erfolg. Selten hatten die Kinder so ein Gemeinschaftsgefühl und eine Willensstärke gezeigt wie am Turniertag! Trotz großen Eifers blieben alle Teilnehmer fair, es wurde gut auf uns Schiedsrichter gehört und niemand verletzte sich (oder wurde verletzt) – wir waren wirklich erleichtert, dass alles so glatt lief.
Zum Schluss durfte natürlich die Siegerehrung nicht fehlen, der Schulsieger bekam als Preis zwei Fußbälle und jedes Kind einen Kuli. Das Gewinnen war den Kindern übrigens gar nicht so wichtig, am Ende hatte nämlich wirklich jeder ein Lächeln auf den Lippen – auch die anfangs eher skeptischen Lehrer und die etwas erschöpften Freiwilligen!






Montag, 23. Februar 2015

Schulgarten der KIUMAKO

Um den Kilimanjaro wächst und gedeiht dank des Klimas und des fruchtbaren Bodens wirklich alles! Meine Gastmama Pracseda hat vor etwa zwei Wochen Zucchinisamen aus Deutschland hier angebaut und schon gestern gab es die ersten Ergebnisse! Und da es hier ja keine Jahreszeiten, sondern nur Trocken- und Regenzeiten gibt, kann man eigentlich auch das ganze Jahr über ernten.


Deswegen versuchen wir nun seit einiger Zeit, auch bei der KIUMAKO einen kleinen Schulgarten anzulegen. Zum einen, um den Schülern das Anpflanzen und Pflegen der Pflanzen beizubringen, aber natürlich auch, um die Ernte lecker zu verarbeiten (freitags kochen wir ja immer für die Kinder) oder zu verkaufen.
Mein Mitfreiwilliger am Ernten
Bis jetzt ist angebaut:
Bohnen, Tomaten, Grünkohl, Kohl, Spinat, Wassermelone und kleine Bäumchen, die hier heranwachsen und dann weiter ins Baumpflanzprojekt der Schule umgesiedelt werden.

Bald sind auch die Tomaten reif
Kleine Sprösslinge
Auch ein paar Gewürze wie Rosmarin kann man finden (Oft überraschen uns auch Pflänzchen, die wir gar nicht angepflanzt haben, durch den Wind streuen die Samen ziemlich.)

Da man schon nach kurzer Zeit Resultate sehen kann und eigntlich alles gut wächst, macht gärtnern hier richtig viel Spaß!

Dienstag, 17. Februar 2015

Mwika Secondary School – Rugby und Tanzen

Ein Projekt, das uns wirklich am Herzen liegt, ist die Mädchenförderung. Deshalb haben wir beschlossen, an der Mwika Secondary School Rugby und Tanzen anzubieten – aber nur für die Mädels.
Der "Dancing Club"
Zwar ist das ein wenig fies den Jungs gegenüber, aber dafür können die Mädchen nun dem Ball hinterherjagen oder locker tanzen, ohne direkt weggestoßen, kritisch beäugt oder ausgelacht zu werden. Und bis jetzt läuft es auch ziemlich gut! Besonders stolz sind unsere Mädels darauf, auch mal Sporthosen anziehen zu dürfen.
Eerst einmal war es etwas schwierig, eine andere Ballsportart als Fußball anzubieten (Fußball ist hier wirklich das Non-Plus-Ultra!), doch auch mit dem Rugbyball kommen eigentlich alle gut zurecht.
Beim Tanzen sind zwar alle noch etwas schüchtern und fühlen sich etwas unsicher, doch wir sind guter Dinge, das wir am Ende einen super Tanz präsentieren können!


Die ersten Tanzversuche

Über die Fortschritte halte ich euch natürlich auf dem Laufenden!

KIUMAKO Youth Meeting

Jeden Monatg Nachmittag bieten wir an der KIUMAKO Secondary School das Youth Meeting an. Es gibt verschiedene Angebote und die Kinder können zwischen Fußball, Malen, Kartenspielen oder dem Schulgartenprojekt wählen. Manchmal schauen wir auch Filme, singen gemeinsam oder veranstalten Fußballturniere.



Montag, 16. Februar 2015

Projekt Update

Besonders mit der Mwika Primary School haben wir unsere Zusammenarbeit vertieft. Neben dem English Club gibt es jetzt noch drei weiter Angebote: Geography Club, Maths Club und Sports Club. Außerdem unterrichten wir wie schon letztes Jahr eine Stunde Englisch und eine Stunde Kunst in der 6. Klasse.


Das Thema für das diesjährige Schuljahr ist „Tipi from Africa“ – ein Mädchen, das in der Serengeti mit den wilden Tieren lebt und diese nur verstehen kann, indem es Englisch lernt. Also bastelten wir im Kunstunterricht kleine Bäume aus alten Toilettenpapierrollen, um ihre Lebenswelt darzustellen. Kunst (und auch Sport) zu unterrichten ist übrigens wesentlich einfacher als Lernfächer, da die Kinder dort motiviert sind, Spaß haben und was Praktisches in der Hand halten – und wir Kiswahili nur sprechen.



Den Schülern Englisch näher zu bringen gestaltet sich oft als schwieriger: Eine Sprache ist etwas Abstraktes, sodass viele Kinder noch gar nicht begriffen haben, was sie überhaupt lernen. Dies ist -meiner Meinung nach - auf das Bildungssystem und den typischen Nachplapper-Unterricht allgemein zurückzuführen. Im Kindergarten können die Kleinen zwar die Zahlenreihe eins bis zehn auf Englisch aufsagen, aber verbinden damit gar keine Zahlen, Mengen oder könnten ins Kiswahili übersetzten. Wer die Reihe nicht aufsagen kann, bekommt den Schlagstock zu spüren – so funktioniert Bildung hier.

Unsere Schüler kennen also mehr Tiernamen und Obstsorten auf Englisch als ich, aber verstehen den Satz: „The tree is green“ nicht.
Aber wir lassen uns von diesen Tatsachen natürlich nicht entmutigen und versuchen, jeden Tag einen kleinen Schritt voranzukommen!
Im English Club, in dem wir nur die Leistungsstärksten Schüler unterrichten, läuft es schon besser. Unser aktuelles Thema „English around the world“ soll ein Verständnis für die Weltkarte vermitteln und außerdem zeigen, dass es auch in Afrika Länder gibt, in denen nur Englisch gesprochen wird. Wir erstellen Ländersteckbriefe in Gruppenarbeit und lassen die Kinder die Länder selbst zuordnen und in die Karte einkleben.


Kiswahili


Schon Anfang des 7. Jahrhunderts herrschten zwischen der Ostküste Afrikas und den arabischen Ländern rege Handelsbeziehungen. Neben verschiedensten Waren brachten die Araber auch den Islam und einige Sprachbrocken nach Afrika, sodass nach und nach an der Küste eine afro-arabische Kultur mit einer eigenen Mischsprache entstand: Das Kiswahili.

Diese wurde zunächst nur von den Händlern zur Verständigung genutzt, doch aufgrund des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einflusses der Küstenregion breitete sie sich schnell entlang der Karawanenrouten im gesamten Land aus und entwickelte sich so zur wichtigsten Sprache Ostafrikas. Sansibar als Drehscheibe des damaligen Handels gilt auch heute noch als Hochburg des Kiswahili.


Obwohl das Kiswahili als afrikanische Bantusprache klassifiziert wird, entstammen 30 – 40 % der Wörter dem Arabischen. Andere Einflüsse brachten die Perser, die Inder und auch die ehemaligen Kolonialmächte Portugal und Deutschland (shule – Schule). Besonders im Bereich der Technik und Elektronik (kompyuta – Computer), aber auch im Jugendslang (freshi – gut) bereichern zunehmend Lehnwörter aus dem Englischen die Sprache.
Insgesamt ist das Kiswahili eine Sprache im Wandel – von Region zu Region unterscheiden sich die Begrüßungsformen und Formulierungen. In Kenia verwendet man beispielsweise das populäre „Hakuna matata“ während in Tansania „Hamna shida“ gebräuchlich ist. Inhaltlich bedeuten beide Aussagen „Kein Problem, alles gut“ – doch mit der falschen Wortwahl entpuppt man sich schnell als ahnungsloser Tourist!

In Tansania spricht fast jeder Kiswahili, wenn auch teilweise erst als Zweit- oder Drittsprache. Lediglich in Regionen, an denen die tansanische Regierung keine Schulen bauen lässt (, wie etwa die Maassai-Steppe), verständigen sich die Menschen noch auf ihrer Stammessprache.
Der erste Präsident Tansanias, Julius Nyerere, setzte sich vehement für die Einung des Landes und für die Durchsetzung des Kiswahili als einende, stammesübergreifende Verkehrssprache ein. Seine Bestrebungen wurden mit Erfolg gekrönt, denn Tansania ist auch heute noch eines der friedlichsten Länder Afrikas, in dem verschiedenste Ethnien und Religionen ohne Probleme nebeneinanderleben. Während es in Nachbarländern wie Ruanda, Kenia und dem Kongo in der Vergangenheit und auch jetzt noch häufig zu Unruhen kommt, herrscht hier fast idyllischer Frieden.



Mir macht es unglaublich viel Spaß die Sprache zu lernen und dann auch direkt anwenden zu können! Mit Englisch kommt man hier wirklich nicht weit, besonders in dörflichen Regionen sind Kiswahilikenntnisse unerlässlich. Meiner Meinung nach ist die Sprache sehr einfach zu erlernen – sie scheint mir wesentlich simpler als germanische oder romanische Sprachen, aber ist auch einfach sehr anders. Erst als ich die Struktur und den Aufbau der Sprache verstanden (und die Unterrichtsmethoden allgemein gesehen) hatte, konnte ich richtig verstehen, wieso den Kindern das Englischlernen so schwer fällt.

Die Sprache ist einfach komplett anders aufgebaut.
Ich übersetzte nun beispielhaft einen Satz, um die Unterschiede deutlich zu machen.

Ich habe ihn schon gesehen.
–> Nimeshamuona. –> Ni-me-sha-m-u-ona

Im Kiswahili kann ein Satz aus nur einem Wort bestehen:

das Ni- steht für ich, das –me- für die Vergangenheit, das –sha- für schon, das –m- für „ihn“ (das –u- ist ein Füllvokal) und –ona bedeutet „sehen“.

Wenn man das System erst einmal durchschaut hat, ist es wirklich leicht, es gibt fast keine Präpositionen o. ä. Zudem ist der Wortschatz viel kleiner als im Deutschen.

Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen, aber aufschlussreichen Einblick in die Sprache Ostafrikas vermitteln, diemir auch zum Verständnis der tansanischen Kultur unverzichtbar scheint.